Konzert-Rezension: Gabriel Yeo - Klavier

Klavierabend

Sonntag, 08. Januar 2023

19.30 Uhr, Bürgerhaus Telgte

Bassfeld 9 / 48291 Telgte

Jun-Ho Gabriel Yeo begeisterte am Sonntag sein Publikum im Bürgerhaus. Foto: Axel Engels


Westfälische Nachrichten vom 10.01.2023

von Axel Engels

Künstlerische Reife deutlich hörbar

Klavierabend mit Jun-Ho Gabriel Yeo

Telgte. Einen besseren musikalischen Start in das Neue Jahr kann man sich wohl nicht vorstellen als einen Klavierabend mit Jun-Ho Gabriel Yeo am Sonntag. Damit hatte der Kultur- und Freundeskreis Telgte seine Konzertsaison sicherlich mit einem ganz exquisiten Musikerlebnis eröffnet.

 

Der noch junge Pianist mit Wurzeln in der nahen Domstadt spielte zu Recht in der renommierten Konzertreihe „Best of NRW“, verwöhnte die vielen Liebhaber feinster Pianistik mit einem äußerst anspruchsvollen Programm. Bei all seinen mittlerweile auch internationalen Erfolgen ist sich Jun-Ho Gabriel Yeo stets in seiner Art der Interpretation treu geblieben. Der sympathische Pianist hat sich nie als reiner „Tastenvirtuose“ gezeigt, für ihn ist musikalischer Ausdruck und Gehalt eines Werkes immer ein wichtiger Aspekt seines kultivierten Spiels. Schon den „6 Klavierstücken op. 118“ von Johannes Brahms war deutlich, dass es diesem Künstler nicht auf äußere Effekte ankam, dass er seine ausgefeilte Anschlagskultur ganz in den Dienst der Musik stellt.

 

Schon als diese Stücke nach einem Sommeraufenthalt von Johannes Brahms in Ischl im Jahre 1893 bekannt wurden, war man begeistert von diesen Spätwerken, zeigte sich sogar Clara Schumann davon angetan von dieser emotionalen Fülle in einer kleinen Form. Die wohl zwei bekanntesten Werke dieser Sammlung, das Intermezzo A-Dur und die Romanze F-Dur, zeigten die sensible Art, mit der sich Jun-Ho Gabriel Yeo an diese äußerst anspruchsvollen Kompositionen näherte.

 

Da ging es eben nicht um übertriebene Kontraste, sondern der Pianist beschäftigte sich mit dem Inhalt jenseits des reinen Notentextes mit den Stimmungen auf fast klangmalerische Weise. Die Qualität eines Pianisten zeigt sich in der Art, wie er mit langsamen Werken umgeht und dort die lyrisch-poetische Melodien ausspielt. Von Melancholie bis lichter Lebensfreude zeigte sich das Spektrum romantischer Gefühle in einem facettenreichen Gewand. Dass ein „so junger“ Pianist wie Jun-Ho Gabriel Yeo natürlich auch zeigen will, was er alles auf dem Flügel leisten kann, ist nachvollziehbar. Aber auch hier zeigte Jun-Ho Gabriel Yeo mit der „Sonate Nr. 9 C-Dur op. 103“ von Sergej Prokofieff seine kultivierte Gestaltung.

 

Das viersätzige Werk erklang wie vom Staub der vielen Jahre seit der Uraufführung befreit in einer überaus interessanten Art. Die sehr zurückhaltende, fast introvertierte Art der Sonate kam Jun-Ho Gabriel Yeo sehr entgegen. Er ließ in seiner Interpretation den kleinsten klanglichen und rhythmischen Schattierungen genau die Genauigkeit zukommen, damit sie nicht durch virtuose Passagen überdeckt werden. Bei solcher Akribie und feinsinnigen Spielweise wurde diese sehr anspruchsvolle Sonate vom Publikum begeistert aufgenommen. Für den zweiten Konzertteil hatte er sich mit der „Sonate B-Dur D 960“ von Franz Schubert einen Meilenstein romantischer Klavierliteratur ausgesucht.

 

Wer sich heute an dieses gewaltige Werk herantraut, muss neben einer perfekten Spielweise auch eine große künstlerische Reife haben. Jun-Ho Gabriel Yeo besitzt beides und hatte an diesem Abend hörbar ein großes Vergnügen beim Spiel dieser nur wahren Könnern vorbehaltenen Sonate. Die Architektur der Sonate mit ihren stark melodischen Abschnitten wurde beim Spiel von Jun-Ho Gabriel Yeo sehr transparent nachvollziehbar. Mit stehend dargebrachten Ovationen bedankte sich das Publikum für diesen überaus fesselnden Klavierabend.